SPZ CP-Ambulanz


SPEZIALSPRECHSTUNDE CP-AMBULANZ

Dr. med. Hermann Kühne

DR. MED. HERMANN KÜHNE
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Neuropädiater

Dr. med. Bettina Rösch

DR. MED. BETTINA RÖSCH
Fachärztin für Orthopädie,
Kinderorthopädie

Martin Kopietz

MARTIN KOPIETZ
Physiotherapeut

Gertraud Haizinger

GERTRAUD HAIZINGER
Physiotherapeutin



Henriette Olah

HENRIETTE OLAH
Physiotherapeutin

Katharina Obermeier

KATHARINA OBERMEIER
Ergotherapeutin

ADRESSE
Vinzenz-von-Paul-Str. 14,
84503 Altötting

0 86 71 / 509 – 900
0 86 71 / 509 – 999
mail@kinderzentrum.de


Sehr geehrte Besucher,

herzlich willkommen und vielen Dank für Ihr Interesse sich über den Fachbereich Bewegungsstörungen / CP-Ambulanz am SPZ Inn-Salzach-Rott zu informieren.

Im Folgenden erhalten Sie einen kurzen Überblick über unser Aufgabengebiet, die Struktur des Fachbereiches, die Organisation bzw. technischen Abläufe. Im Weiteren informieren wir Sie dann ausführlicher über die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Abteilung, wie und in welchem Umfang sie zum Wohle der Patienten eingesetzt werden können.

 

Aufgaben des Fachbereichs
Unser Team ist eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe von Fachärzten aus dem Bereich Pädiatrie/Neuropädiatrie, Orthopädie/Kinderorthopädie, Physiotherapeuten Ergotherapeuten, Arzthelferinnen, Mitarbeitern der Leitstelle in Zusammenarbeit mit Ortho- und Rehatechnikern, die sich auf die Diagnostik, Behandlung, Betreuung von angeborenen und erworbenen Bewegungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Bewegungsstörungen sind sowohl angeboren, als auch erworben und nehmen unbehandelt einen ungünstigen Verlauf, sowohl was die Fähigkeiten von Bewegung als auch Haltungsregulation betrifft. Dementsprechend richtet sich das diagnostische, therapeutische als auch Gesamtversorgungskonzept nach dem Zeitpunkt der Entstehung, nach Intensität der auffälligen Bewegungs- bzw. Haltungsmuster als auch der Belastungsfähigkeit des Kindes.

Unser Gesamtkonzept ist integrativ, dies betrifft sowohl das diagnostische Vorgehen als auch die sich daraus ergebende multimodale Therapie. Deshalb wenden wir uns bereits im Primär-/ Aufnahmegespräch an die Eltern mit der Bitte um Unterstützung, erklären ausführlich die Ursachen der Problematik, informieren regelmäßig über die erreichten therapeutischen funktionellen, als auch psychosozialen Fortschritt und versuchen die Eltern als Cotherapeuten zu gewinnen. Dabei steht immer an erster Stelle die kindgerechte Behandlung, wir berücksichtigen sowohl das Lebensalter, die aktuelle motorische, aber vor allem auch die gesamtkörperliche und kognitive Situation des Kindes. Überforderungen als auch Unterforderungen sind regelmäßig zu erkennen, mit den Eltern und im Team zu besprechen und im Konzept zu berücksichtigen. Die Möglichkeiten der gerätegestützten Therapie mit digitalen Speicherfunktionen sichern eine kontinuierliche Anpassung der Therapie an Fähigkeiten und ergeben auch die Möglichkeit die Zielstellungen kontinuierlich anzuheben und das Kind sowohl physisch zu stabilisieren, als auch psychisch zu motivieren und in der Teilhabefähigkeit zu verbessern.

Uns ist wichtig zu betonen, dass das Kind immer im Fokus unserer Bemühungen steht, dass vor allem die kindgerechte Behandlung ein wichtiger Aspekt ist, welcher ständig auch Herausforderungen stellt, weil die Altersunterschiede erheblich sind und damit auch das Therapiekonzept ständig den Fähigkeiten angepasst werden muss.

 

Teamstruktur des Fachbereichs Bewegungsstörungen / CP-Ambulanz

Zum Team gehören folgende Fachvertreter:
Neuropädiater Dr. med. Hermann Kühne
Kinderorthopädin Dr. med. Bettina Rösch
Physiotherapeuten Henriette Olah (Bobaththerapeutin)

Ulrike Pelikan (Vojtatherapeutin)

Julia Oberneder (Bobaththerapeutin)

Martin Kopietz (Bobaththerapeut)

Ergotherapeuten Katrin Obermeier
Orthopädie- und Rehatechniker (variabel)

 

Teamorganisation / Organisation der Sprechstunde
Die interdisziplinäre Sprechstunde erfolgt in der Regel einmal ggf. zweimal im Monat jeweils an einem festgelegten Dienstag. Erstangemeldete Patienten mit Bewegungsstörungen werden nach Kontakt mit der zentralen Leitstelle einem Termins zur Erstsprechstunde zugeteilt wobei eine Koordination zwischen den erforderlichen Fachvertretern durch die Leitstelle organisiert wird. In der Regel wird beim Ersttermin sowohl ein Kontakt mit dem Kinderneurologen als auch mit dem Kinderorthopäden erfolgen. In der Regel ist diese Sprechstunde gemeinsam, um unnötige Doppeluntersuchungen, Doppelanamneseerhebungen etc. zu vermeiden. Eine Physiotherapeutin aus dem Team ist bei der Sprechstunde mit anwesend, um auch die physiotherapeutischen Aspekte der Problematik in die Diagnostik mit einzubeziehen bzw. den Transfer in die Therapie mit zu organisieren. Wird eine Hilfsmittelversorgung notwendig, werden die Termine sowohl mit der beteiligten Physiotherapeutin und dem Orthopädie- bzw. Rehatechniker vernetzt. Kommt der Patient zu einem Wiedervorstellungs- bzw. Kontrolltermin und handelt es sich dabei auch um eine Hilfsmittelversorgung wird zu dem Zeitpunkt der Orthopädie- bzw. Rehatechniker mit anwesend sein und wird im Anschluss an die ärztliche Untersuchung soweit wie möglich vor Ort bereits die Veränderungen an Material und Gerät vornehmen. Die Ärzte begutachten abschließend die Verbesserungen bzw. Neuanfertigung der Hilfsmittel und geben sie damit zur Anwendung frei. Bei den Kontrollterminen spielt auch die regelmäßige Rückmeldung über das regelmäßige Nutzen der verordneten Hilfsmittel eine wichtige Rolle, um den Effekt auch sicher abschätzen zu können.

Am jeweiligen Sprechstundentag trifft sich das komplette Team (auch die an dem Tag nicht mitbeteiligten Mitarbeiter) zur Fallkonferenz. Inhalt dieser Fallkonferenz sind: Besprechung der an dem Tag vorgestellten Patienten, Formulierung des Therapieziels, Ableitung des Behandlungskonzeptes, Festlegung der Therapiemaßnahmen, Erstellung eines Teamprotokolls.

Das Teamprotokoll wird anschließend nach Freigabe durch den Leiter der Einrichtung der Leitstelle zur Koordinierung der Therapietermine, zur Vorbereitung der nächsten Teamsitzungen bzw. Sprechstunden übermittelt. Zudem werden die Daten, da eine entsprechende Genehmigung durch die Patienteneltern eingeholt wird, auch in einer separaten Datenbank des Fachbereichs zum Teil mit Videodokumentation abgespeichert.





Das Team (von links nach rechts): Vorname Name 1, Vorname Name 2, Vorname Name 3, Vorname Name 4, Vorname Name 5

Behandlungs- und Leistungsspektrum
Zum Behandlungsspektrum der Abteilung gehören die angeborenen oder erworbenen Bewegungsstörungen und der damit verursachenden Lähmungen, Spastiken und Muskelkontraktionen. Vorgestellt werden können Kinder mit folgenden Diagnosen:

  • Infantile Cerebralparese verschiedenen Typs
  • Muskeldystrophie-Erkrankungen, z. B. Typ Duchenne oder Becker-Kiener
  • Spinale Muskelatrophie
  • Zustand nach Schädel-Hirn-Traumen bzw. multiplen Traumen
  • Erbliche und chronische neurologische Erkrankungen wie HMSN
  • Zustand nach operativen Interventionen bei Knochen und Knorpeltumoren
  • Angeborene Schädigungen der Wirbelsäule bzw. des Rückenmarks (Myelomeningozele)
  • Angeborene Gelenksteife (Arthrogryposis multiplex congenita)
  • Syndromale Erkrankungen

Krankheitsstadienbedingt erfolgt hier die Zusammenarbeit mit stationären Einrichtungen der Pädiatrie, Kinderorthopädie bzw. mit Rehabilitationskliniken.

 

Anamnese und Untersuchung
In der Erstvorstellung wird mittels standardisiertem Fragebogen und standardisierter Untersuchungsassessments der aktuelle klinische Zustand des Patienten erfasst und dokumentiert. Genutzt werden dazu die sowohl in der Kinderneurologie als auch Kinderorthopädie gängigen Testassessments, z. B. ROM, MAS usw. Die Dokumentation der Bewegungsabläufe erfolgt mittels Videoaufzeichnung (datengeschützt).

 

Diagnose
Zur Diagnosesicherung als auch zur Verlaufskontrolle der Krankheit sind sowohl die genannten Assessments als auch die Klassifikationsschemata einzusetzen. In der Diagnostik gehören standardgemäß die Schädelsonografie (sofern noch altersbedingt möglich), die Magnetresonanztomografie (MRT) von Schädel und Wirbelsäule als auch verschiedene Funktionstests zum Arbeitspensum. Ggf. werden evozierte Potenziale abgeleitet, bei dem Verdacht auf genetische Fragestellungen erfolgen die entsprechende genetische Abklärung und Stoffwechseldiagnostik. Wichtig ist als Ergebnis der Diagnostik die systematische Einteilung vor allem bei der Cerebralparese. Die Cerebralparese kann sowohl uni- als auch bilateral und seitenbetont auftreten. Sie kann sowohl eine überwiegende spastische, eine dyskinetische als auch sowohl ataktische Form darstellen, welche eine unterschiedliche Behandlungskonsequenz zur Folge hat. Die Einteilung für die Körpermotorik erfolgt am Ende der Diagnostik und dann im Laufe der Therapie mit ständiger Aktualisierung mittels der GMFCS (Gross Motor Function Classification System), bei vor allem handbetonten Formen mittels MACS (Manual Ability Classification System) und bei Problemen der Kommunikation mittels CFCS (Communication Function Classification System).

Wichtig ist die Mitbehandlung von typischen Begleiterkrankungen/Komorbiditäten der Cerebralparese. Betroffen sind oft Störungen der Sinnesleistungen, der Wahrnehmungsfunktionen (Tastsinn, Schmerzempfindlichkeit, Tiefensinn, Gespür für die Lage der Körperteile etc.), Krampfleiden, vor allem fokale Epilepsien, vegetative Störungen wie Probleme im Gedeihen, Ernährung, in der Verdauung, Intelligenz- und Verhaltensprobleme (weshalb sich entsprechende diagnostische Maßnahmen regelmäßig ergeben), Sehstörungen in Form von Strabismus und Fehlsichtigkeiten sind zu erfassen. Zu achten ist auf das Gedeihen der Kinder, die somatische und kognitive als auch psychische Entwicklung des Kindes.

 

Therapie
Im Rahmen der Teamarbeit (Teambesprechung) werden die therapeutischen Konzepte festgelegt. Zur Anwendung kommen Methoden aus der Manualtherapie, Nutzung der Techniken nach Bobath und Vojta. Wichtig ist das Handling für die oft bewegungseingeschränkten Patienten. Zur mundmotorischen Schulung zur Verbesserung der Schluckfunktion zum Abbau der Hypersalivation kommt das Training nach Castillo-Morales zum Einsatz. Hinzu kommen die logopädischen Methoden zur sprachlichen Funktionsverbesserung. Die Ergotherapie arbeitet aktuell vorwiegend nach dem CIMT-Konzept, variiert dies aber, um ein beidhändiges und einhändiges Training zu erreichen. Zentrales Problem ist die Verbesserung von Mobilität und Funktionalität und die Kontrakturenprophylaxe. Dazu ist die Zusammenarbeit mit den Ortho- und Rehatechnikern ständiger Bestandteil der Arbeit. Es geht um bedarfsgerechtes Schuhwerk, um spezielle Einlagen, um die Orthesenversorgung, um die Nutzung rehatechnischer Möglichkeiten, wie aktiver oder passiver Rollstuhl etc.

Eine wichtige Rolle sowohl im diagnostischen, aber auch in Kombination mit dem therapeutischen Bereich spielt speziell in der kinderorthopädischen Arbeit bei cerebralparetischen Patienten die regelmäßige klinische Kontrolle der Hüftfunktionen, das Röntgen der Hüfte und Bewertung nach der sogenannten Hüftampel. Bei Überschreiten eines zulässigen oder tolerablen Hüftmigrationsindexes sind operative Interventionen zur Hüftkorrektur einzuleiten, weshalb die Kinder dann in stationäre orthopädische Einrichtungen eingewiesen werden.

Ähnlich wichtig ist in der Kombination von Diagnostik und Therapie die Beurteilung der Wirbelsäulensituation. Häufig haben die Kinder skoliotische Veränderungen, welche zu regelmäßigen Röntgenkontrollen der Wirbelsäule und die Beurteilung mittels der sogenannten Wirbelsäulenampel (analog der Hüftampel) gehören. Auch danach sind entsprechende zusätzliche therapeutische Versorgungen (z. B. Korsett ggf. operative Maßnahmen) festzulegen.

Die zunehmende Spastik im Rahmen einer ausgeprägten Cerebralparese (Klassifikation nach GMFCS) führt zu einer zunehmenden Haltungsasymmetrie, Bewegungseinschränkung, zu Schmerzen und eingeschränkter Alltagsaktivität. Als weitere Behandlungsoption zur Muskelentspannung kommen deshalb die Injektionen mit Botulinumtoxin Typ A zum Einsatz, wobei mit ultraschallgestützter Präzision gut die verkürzten spastischen Muskeln injiziert werden können. Das Botulinumtoxin wirkt neuromodulatorisch. Durch die Wirkung auf das Acetylcholin im synaptischen Spalt, wirkt es vor allem muskelentspannend, tonusregulierend und somit auch schmerzreduzierend und pflegeerleichternd. In der Phase der Wirksamkeit des Botulinumtoxins (ca. 3 – 6 Monate) können die physiotherapeutischen Maßnahmen intensiviert bzw. auch durch gerätegestützte Techniken erweitert werden. Zum Teil werden in der ersten Phase nach Injektion Therapiegipse zur Fixierung in die gewünschte Winkelfunktion der Gelenke eingesetzt.

Neben dem Einsatz von Botulinumtoxin A kann zur Neuromodulation auch eine orale Medikation erfolgen. In schwierigeren Fällen ist die intrathekale Baclofen-Gabe möglich. Dazu erfolgt das Einlegen der Baclofen Pumpe in einer auswärtigen Klinik.

Einen festen Platz im therapeutischen Konzept haben Therapiegeräte wie Laufband mit Festlegung des Lauftempos und der Belastungsdauer, das Training mit dem MOTOmed zur Verbesserung der Hand- und der Beinfunktionen. Auch hier werden Dauer, Intensität und Seitigkeit der Belastung registriert und durch den Therapeuten bedarfsgerecht modifiziert. Zum Assessment gehört ebenfalls die Arbeit mit dem Galileo, einem „Wackelbrett“, wobei durch Modifizierung von Frequenz und Amplitude ein detonisierender, kräftigender Effekt auf die Muskulatur erreicht wird.

Die genannten Methoden und Möglichkeiten werden im Rahmen des Therapie- bzw. Behandlungskonzeptes besprochen, festgelegt und protokolliert. Die Eltern werden in die Arbeit direkt einbezogen, da wichtige Teile der Therapie auch im häuslichen Rahmen durchgeführt werden müssen.

Bei Begleiterkrankungen erfolgen entsprechende ergänzende therapeutische Maßnahmen wie Epilepsiebehandlung, Behandlung von Fehlsichtigkeiten und vielem anderen mehr. Nehmen die Muskelkontrakturen trotz intensiver multidisziplinärer Therapie zu, drohen Hüftluxationen bzw. erhebliche skoliotische Veränderungen, erfolgen die Überweisungen in orthopädische Kliniken. Einen festen Platz haben dabei inzwischen minimalinvasive Methoden, z. B. die Myofasziotomie, erworben. Dabei ist unsere Fachabteilung intensiv in die Vor- bzw. auch Nachbehandlung operierter Patienten einbezogen. Seit 2010 besteht eine gute kooperative Zusammenarbeit mit der Kinderorthopädie der Schönkliniken München-Harlaching, wobei sich die gleichzeitige Tätigkeit von Frau Dr. Rösch als Oberärztin in dieser Klinik als besonders effektiv für die Zusammenarbeit erweist.

Wir hoffen dass wir Ihnen einen informativen Überblick über die Arbeit des Teams für Bewegungsstörungen / CP-Team im ZKJM Inn-Salzach-Rott gegeben zu haben. Betont sei, dass nur in der interdisziplinären, teamorientierten Arbeit und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Eltern ein ausreichender Therapieeffekt bei den betroffenen Kindern erzielt werden kann.