SPZ Heilpädagogik Musiktherapie


FACHBEREICH HEILPÄDAGOGIK MUSIKTHERAPIE

Katrin Kreuz

KATRIN KREUZ

Musikzimmer

ADRESSE
Vinzenz-von-Paul-Str. 14
84503 Altötting

0 86 71 / 509 – 900
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Liebe Eltern,

Ihr Kind hat vom behandelnden Arzt oder Psychologen Musiktherapie verordnet bekommen und Sie möchten gerne wissen wie diese Therapieform Ihrem Kind helfen kann. Es bewegen sie dann vielleicht Fragen wie zum Beispiel:

  • Was ist Musiktherapie?
  • Welche Musiktherapie hilft meinem Kind?
  • Bei welchen Störungen und Krankheiten kann sie hilfreich eingesetzt werden?
  • Wird in der Therapiestunde nur gesungen, Musik gehört oder gespielt?
  • Muss mein Kind musikalisch sein?

 

Ich möchte Ihnen gerne im Folgenden einen Überblick vermitteln.

 

Was ist Musiktherapie?

Musiktherapie ist eine Therapieform, in der Musik wie Klang, Rhythmus, Melodie und Harmonie, musikalische Aktivitäten wie Tanz, Improvisation, Anhören von Musik in Interaktion von Patient und Therapeut gezielt eingesetzt werden. Sie soll zusammen mit anderen Therapieformen helfen, Krankheiten und Störungen Ihres Kindes zu behandeln. Ihre Aufgabe ist es die seelische, geistige und körperliche Gesundheit zu stabilisieren, zu erhalten und zu entwickeln.

Musiktherapie kann nonverbal, das heißt ohne Sprache ausgeübt werden, dadurch ist sie bei der Behandlung von Kindern besonders hilfreich. Kinder, die sich nicht oder nur unzureichend sprachlich ausdrücken können, profitieren besonders von der Vielseitigkeit der musiktherapeutischen Möglichkeiten. Durch die Musik lassen sich Gefühle und Emotionen deutlich ausdrücken. Außerdem bildet sie einen guten Rahmen für Gruppentherapien. Hier ist Ihr Kind selbst aktiv und kann in spielerischer Form zum Beispiel soziale Kompetenzen trainieren. Ihr Kind erlebt so im spielerischen Umgang mit verschiedenen Instrumenten Freude an Musik und Bewegung.

 

Wo wird Musiktherapie eingesetzt?

Musiktherapie kann erfolgreich bei Kindern mit folgenden Indikationen eingesetzt werden:

  • Allgemeine Entwicklungsverzögerungen
  • Medizinisch bekannte Syndrome oder Behinderungen
  • Probleme in der verbalen oder nonverbalen Ausdrucksfähigkeit
  • Geringe Konzentration, Ausdauer sowie vermindertes Selbstvertrauen bzw. Selbstbewusstsein
  • Geringe Wahrnehmung, Kreativität, Eigeninitiative und Selbständigkeit
  • Psychosomatische Beschwerden
  • Sozialer Kompetenz
  • Eigeninitiative und des selbständigen Handelns
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Stärkung von Kontakt- und Beziehungsfähigkeit
  • Phantasie und Kreativität
  • Sing- und Sprechstimme und des Sprechverhaltens
  • Entspannungsfähigkeit

 

Mir ist dabei besonders wichtig, dass Ihr Kind bei uns im Hause durch die angebotenen interdisziplinären Behandlungsmöglichkeiten ganzheitlich betreut wird.

Was passiert in der Musiktherapie? Welche Rolle spielt dabei die Musik?

Eine unserer großen Lehrerinnen und Vordenkerinnen Gertrud Orff formulierte es einmal so: „In der Musiktherapie spielt man mit Musik“

Das Kind erlebt dabei die natürliche und mächtige Freude an der Musik, an der ungezwungenen Kommunikation und den eigenen Bewegungsmöglichkeiten.

Das Kind spürt, wie es seinen eigenen Rhythmus findet, Maß hält, wie sich Freude, Ärger und Wut anfühlen. Es erlebt sich selbst, erstens so wie es ist, zweitens so wie es einmal sein könnte und vor allem so wie es sein darf, wenn alle Widrigkeiten, die seinen Alltag beeinträchtigen in den Hintergrund treten. Dann, wenn nur die Musik, der Tanz, das Spiel und das Gestalten gegenwärtig sind, dann wenn es den Raum mit seinem eigenen Klang ausfüllen und besetzen darf.

Am ZKJ Inn-Salzach wird Musiktherapie einzeln und in kleinen Gruppen angeboten. Zur Therapie gehören regelmäßig Elterngespräche, ggf. werden die Eltern in die Behandlung miteinbezogen.

Je nach Situation des Kindes werden therapeutische Ziele formuliert und mit den Eltern besprochen.

Daran orientiert sich dann der musiktherapeutische Prozess, welcher schriftlich dokumentiert wird und somit eine längerfristige Überprüfung hinsichtlich Therapieprozess und -Erfolg ermöglicht.

 

Unser Leistungsspektrum möchte ich Ihnen gerne anhand von drei Fallbeispielen näherbringen:

Thomas war bevor er zur Musiktherapie kam, sehr autoaggressiv gewesen, oft hat er sich in die Finger gebissen. Thomas ist Autist. Nach den ersten Stunden, des sich gegenseitigen Kennenlernens, entdecke ich seine große Begeisterung für Lieder und überhaupt für Musik. Thomas der nicht spricht, kann sich erstaunlich schnell Texte und Melodien merken. Die Eltern berichten, er freue sich immer schon sehr auf seine Stunden. Mir macht es viel Spaß gemeinsam mit ihm zu musizieren. Eines Tages entdeckt Thomas, dass auch er Lieder anstimmen kann. Wir kommunizieren bald sehr intensiv auf musikalische Art und Weise. Thomas sucht Rhythmusinstrumente und begleitet fröhlich sein Singen. Seine Eltern berichten Folgendes: Wenn Thomas sehr unruhig wird, stimmen sie Lieder an, die ihm auch zu Hause helfen, ruhiger zu werden. Autoaggressiv ist er, nach Angaben der Eltern nicht mehr.

 

Von Felix berichten die Eltern, dass er schüchtern und ängstlich sei. Er vermeidet das Spiel mit anderen Kindern und in der Mutter-Kind-Gruppe hängt er sich an den Rockzipfel der Mama. In einer Musiktherapiegruppe konnte Felix die Erfahrung machen, wie viel es Spaß macht andere Kinder kennenzulernen, mit ihnen zu spielen und Kinderlieder zu singen. Er lernte mit der Musik zu spielen, sich musikalisch auszudrücken und so in Kontakt mit anderen zu kommen. Er machte die Erfahrung, wie es ist von anderen Kindern verstanden zu werden. Im Verlauf der Therapie erweiterte er erfolgreich seine eigenen sozialen Kompetenzen. Entscheidend ist der Aufforderungscharakter der Instrumente und der Musik, der den Kindern hilfreich entgegenkommt und so gute Gelegenheiten zu Veränderungen der Erlebniswelt, der eigenen Position und des bisherigen Verhaltens bietet. Bei Felix konnte das gemeinsame Spiel auffallend schnell den Mut und das Selbstbewusstsein, in der Gruppe, fördern.

 

Ines, so erzählt mir das junge Mädchen bei unserer ersten Begegnung, hätte trotz guter Noten Schulverbot. Sie könne boxen und hätte an ihrem Gymnasium oft Schlägereien angezettelt. Sie könne, so sagt sie leicht hin, jeden fertig machen, wenn sie nur wolle. Neben mir sitzt eine hübsche Jugendliche mit zarten, verletzlichen Gesichtszügen. Vieles muss wohl geschehen und schiefgelaufen sein, so geht es mir durch den Kopf. Ines besucht für drei Monate die Tagesklinik des Zentrums für Kinder und Jugendliche, wo sie neben verschiedenen Therapien auch Musiktherapie erhält, mit dem Ziel wieder das Gymnasium besuchen zu dürfen. Im Laufe der Zeit lernt Ines sich mittels Musik auszudrücken. Auf dem Klavier spielt sie oft traurige, später sehr wütende Improvisationen. Viel später erst erzählt sie mir von ihren erlittenen Misshandlungen daheim. Durch die Musik lernte sich Ines Schritt für Schritt zu öffnen und über das Geschehene zu berichten und konnte dann in der Psychotherapie intensiv weiter daran arbeiten.