Diagnostik und Therapie bei Kindern mit Herzerkrankungen

Dr. Nono Arijanto

Überblick

In den letzten Jahren sind bedeutende Fortschritte in Diagnostik und Therapie von Herz- und Gefäßerkrankungen erzielt worden. Die Überlebensrate der Kinder mit angeborenen Herzfehlern ist deutlich gestiegen. Trotzdem ist die Diagnose eines Herzfehlers für die Eltern zunächst ein Schock. Es bedarf einer sorgfältigen Untersuchung und einer behutsamen Beratung der Eltern nach der Diagnose einer solchen Störung.

Die meisten Herzfehler werden bereits nach der Geburt festgestellt, manche sogar schon während der Schwangerschaft. Andere werden im Rahmen einer Routineuntersuchung beim Arzt oder zum Beispiel während eines Krankenhausaufenthaltes diagnostiziert.

Zahlreiche Risikofaktoren führen zu angeborenen Herzfehlern, z. B. Infektionen während der Schwangerschaft (Röteln), Zuckerkrankheit (Diabetes) oder andere genetische Defekte.

Um die entsprechenden diagnostischen Maßnahmen durchführen zu können, ist die Erfassung von Risikofaktoren von großer Bedeutung.

Das Herzgeräusch

Das Hauptsymptom ist das Herzgeräusch ("Systolikum", "Diastolikum") mit oder ohne "Blausucht" (Zyanose). Die Herzfehler werden eingeteilt in solche "mit Zyanose" und solche "ohne Zyanose".

Eine weitere Klassifizierung teilt in "operable" und "inoperable" Herzfehler ein.

Das Systolikum (Herzgeräusch) wird je nach Stärke in Grad 1 bis 6 unterteilt und nach der Art des Geräusches pathologisches ("krankhaftes") Systolikum oder akzidentelles Systolikum ("zufälliges Geräusch ohne derzeitigen Krankheitswert") genannt.

Die Anamnese

Wichtig bei der Untersuchung des Kindes ist die Anamnese. Sie umfasst die Befragung der Eltern nach Angehörigen mit Herzfehlern, nach dem Zustand des Kindes, ob z. B. eine Gedeihstörung, Trinkunlust, Trinkschwäche oder Schwitzen beim Trinken vorhanden sind.

Diese Symptome liegen insbesondere bei Säuglingen mit Herzfehlern vor. Bei großen Kindern wird vor allem gefragt, ob sie belastbar sind, ob sie bei Belastung schnell müde werden oder ob eine Zyanose (Blausucht) zu beobachten ist.

Die körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung sind Befunde des Kindes wie die Hautfarbe, die Atmung und der Puls von Bedeutung.

Es wird nach anderen äußerlichen Fehlbildungen gesucht. Der Blutdruck muss gemessen werden, oft an allen vier Extremitäten.

Auch die Blutgase müssen untersucht werden, oder das Kind muss an ein "Pulsoxymeter" (Sauerstoffmessung im Blut durch die Haut) angeschlossen werden, um die Sauerstoffsättigung zu überprüfen.

Die technischen Untersuchungsmethoden

Die Ableitung eines Elektrokardiogramms (EKG) ist wichtig für die Beurteilung der Herzfunktion, einer eventuellen Rhythmusstörung oder als Überwachung einer medikamentösen Therapie.

Abb.: EKG-Ableitung

Eine EKG-Analyse umfasst die Beurteilung der Lage, des Rhythmus, der Erregungszeiten sowohl im Vorhof (Vorkammer) als auch im Kammerbereich des Herzens.

Die Durchführung einer Herzschalluntersuchung (Phonokardiogramm, PKG) ermöglicht eine genauere Analyse des Herzgeräusches. Zur Herzuntersuchung gehört manchmal auch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax). Es werden Lage, Größe und Form des Herzens beurteilt. Manchmal muss zusätzlich eine Thoraxaufnahme seitlich angefertigt werden.

Die Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie, ECHO) zählt zu den bedeutendsten Fortschritten in der Herzfehlerdiagnostik.

Abb.: Echokardiographische Untersuchung

Anhand dieser Echokardiographie wird die Anatomie des Herzens beurteilt. Dazu gehören die Struktur und die Größe der Kammern und Gefäße, die Beweglichkeit der Herzklappen und die Strömungsverhältnisse. Nach der Echokardiographie wird über das weitere Vorgehen entschieden. Es können weitere Untersuchungen erforderlich sein, die den Herzzentren vorbehalten sind, wie z. B. Herzkatheteruntersuchung und Angiokardiographie (Gefäßdarstellung im Röntgen). Anschließend wird die Operationsindikation diskutiert.

Das akzidentelle Systolikum

Eine häufige Diagnose in der Kinderkardiologie ist das "akzidentelle Herzgeräusch" (akzidentelles Systolikum). Dieses Geräusch hört man insbesondere bei Kindern ab dem 3. Lebensjahr. Bei genauerer Befragung stellt sich heraus, dass die Kinder voll leistungsfähig sind.

Die Eltern sind meistens beunruhigt, ob nicht doch eventuell ein Herzfehler bei ihrem Kind vorliegt. Nach Abschluss der Untersuchungen (körperliche Untersuchung, EKG, Echokardiographie, Blutdruckmessung etc.) können die Eltern beruhigt werden, wenn alle Ergebnisse normal sind.

Das akzidentelle Systolikum ist ein Herzgeräusch ohne Krankheitswert, das entwicklungsbedingt auftritt und meist von selber wieder verschwindet.

Die Rhythmusstörung

Rhythmusstörungen, d. h. eine unnormale Schlagfolge bei der Herzaktivität, gehören zu den häufig abzuklärenden Störungen.

Das EKG spielt dabei eine wichtige diagnostische Rolle. Um Extrasystolen (Extraherzschläge) oder die so genannte paroxysmale Tachykardie (hohe Pulsrate) zu registrieren, ist die Durchführung eines 24-Stunden-EKG erforderlich. Dabei müssen die Eltern die Aktivitäten des Kindes während der Aufzeichnung notieren, gegebenenfalls die Beschwerden, Besonderheiten und andere Auffälligkeiten vermerken. Die Extrasystolie ist im Kindesalter in der Regel harmlos. Zur weiteren Abklärung ist die Durchführung eines Belastungs-EKG nötig. Größere Kinder werden auf einem Fahrradergometer, kleinere z. B. durch Kniebeugen belastet.

Abb.: Belastungs-EKG auf dem Fahrrad-Ergometer

Wenn unter Belastung die Extrasystolen weniger werden oder verschwinden, ist eine weitere Klärung nicht erforderlich.

Einteilung der Herzfehler

Wie bereits erwähnt, unterscheidet man angeborene Herzfehler in Herzfehler ohne und mit Zyanose (Blausucht). Bei den Herzfehlern ohne Zyanose wird weiter unterteilt in Herzfehler mit Shunt oder ohne Shunt. Shunt bedeutet eine Kurzschlussverbindung, über die sich das Blut des kleinen Kreislaufes mit den Blut des großen Kreislaufes mischt oder umgekehrt.

Bei Links-Rechts-Shunt tritt sauerstoffreiches Blut aus dem linken Herzen ins rechte.

Abb.: "Shunt": Durch ein Loch in der Herzscheidewand strömt Blut von der linken in die rechte Kammer (roter Strahl)

Die Hautfarbe ist normal, das Kind hat keine Zyanose. Bei RechtsLinks-Shunt tritt sauerstoffarmes Blut aus den rechten Herzräumen in die linken über.

Die Folge davon ist eine blaue ("zyanotische") Hautfarbe. Kinder mit angeborenen Herzfehlern bekommen einen Herzpass.

Er ist als Information für die weiterbehandelnden Ärzte wichtig. Im Herzpass wird über die Notwendigkeit einer Endokarditisprophylaxe, insbesondere bei chirurgischen Eingriffen und bei bakteriellen Infektionen, informiert. Dabei handelt es sich um eine vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika, um Komplikationen, insbesondere Entzündungen im Bereich des Herzfehlers, zu verhindern.



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