Prof. Dr. Ronald G. Schmid
Die Ultraschalldiagnostik (= Sonographie) ist das bildgebende Verfahren, das in der Pädiatrie in den letzten Jahren zur führenden Methode geworden ist. Den Müttern dürfte diese Methode von der Vorsorgeuntersuchung während der Schwangerschaft bestens bekannt sein. Gleichwohl soll an dieser Stelle unter den Aspekten der Kinder- und Jugendmedizin eine fachspezifische Vorstellung erfolgen.
An ein Ultraschallgerät wird ein so genannter "Schallkopf" über ein Kabel angeschlossen. Über den Schallkopf werden die Ultraschallwellen "in den Körper gesendet". Je nach Beschaffenheit des Organs wird ein größerer oder kleinerer Teil der Wellen reflektiert, vom Schallkopf wieder aufgenommen und über eine Datenverarbeitung in ein Bild umgewandelt. Dieses ist auf dem Bildschirm zu sehen, und es kann davon auch ein Bild ausgedruckt werden.
Abb.: Ultraschalluntersuchung der Hüfte bei einem Neugeborenen
Die Ultraschalluntersuchung hat in der Kinder- und Jugendmedizin in weiten Bereichen das Röntgen ersetzt, dies insbesondere, da die Schallwellen des Ultraschalls als unschädlich angesehen werden. Seit der breiten Einführung des Ultraschalls in der Kinderheilkunde ca. 1980 (1985 in der Pädiatrie Altötting) sind die Röntgenuntersuchungen erheblich zurückgegangen. Es gibt aber bis heute Untersuchungen, bei denen das Röntgen nicht durch den Ultraschall ersetzt werden kann.
Der Ultraschall wird zur Vorsorgeuntersuchung und zur Diagnostik bei Erkrankungen eingesetzt. Folgende Organe werden häufig durch Ultraschall in der Kinder und Jugendmedizin untersucht:
Hüfte
Bei einem kleinen Prozentsatz der Säuglinge besteht die Gefahr einer "Hüftdysplasie". Dabei handelt es sich um eine Fehlstellung des Oberschenkelkopfes in der Hüftpfanne, die, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird, zu einer schweren körperlichen Behinderung führt. Früher musste häufig auf operative Korrekturen ausgewichen werden. Diese sind für Patienten mit Schmerzen und langen Krankenhausaufenthalten verbunden, bei Früherkennung der Hüftdysplasie durch Ultraschall aber meist zu verhindern.
Die Behandlung erfolgt dann mit "breitem Wickeln", durch Spreizhosen oder Schienensysteme. Bei besonders gefährdeten Neugeborenen, z. B. nach Beckenendlage vor der Geburt oder einer familiären Belastung mit Hüftdysplasie, sollte die Ultraschalluntersuchung in den ersten Lebenswochen erfolgen.
Regelmäßig wird diese Untersuchung heute im Zeitraum der U 3 (Vorsorgeuntersuchung 3) in der 4. bis 6. Lebenswoche vorgenommen. Bei einem Teil der Kinder mit einer so genannten Hüftunreife muss mit ca. 3 Monaten nochmals eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Manchmal wird in der Zwischenzeit ein breites Wickeln empfohlen, um die Reifung der Hüfte zu unterstützen.
Schädel
In den ersten Lebensmonaten, vor dem Zusammenwachsen der Fontanelle und der Hirnnähte, kann durch diese hindurch eine Ultraschalluntersuchung des Gehirnes vorgenommen werden. Dabei wird der Schallkopf auf die Fontanelle oder in die Nahtbereiche aufgesetzt und eine Abbildung des Gehirnes dargestellt.
Abb.: Ultraschalluntersuchung durch die noch offene Fontanelle eines Säuglings zum Ausschluss eines Wasserkopfes
Durch diese Methode lassen sich frühzeitig Missbildungen, Blutungen und Tumore des Gehirns erkennen. Außerdem ist damit eine Früherkennung des Wasserkopfes ohne Einsatz komplizierter Methoden möglich.
Harnwege
Eine der wichtigsten Untersuchungen in der Kinder- und Jugendmedizin ist die Untersuchung der Nieren, der ableitenden Harnwege (Harnleiter) und der Harnblase. Durch diese Untersuchung lässt sich mit relativ hoher Sicherheit ein normales Ableitungssystem nachweisen. Andererseits lassen sich auch ohne große Belästigungen für den Patienten Harnstauungen durch Verengungen, Nierensteine, Missbildungen und andere Störungen nachweisen. Aufgrund der unkomplizierten Vorgehensweise wird nach einem oder mehreren Harnwegsinfekten meist eine Ultraschalluntersuchung des Harnwegsystems vorgenommen, um zugrunde liegende organische Störungen oder Missbildungen auszuschließen.
Bauchraum
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Untersuchung des Bauchraumes. Röntgenuntersuchungen sind hier nur sehr beschränkt oder mit Kontrastmittel einsetzbar. In den meisten Fällen, wenn auch nicht in allen, kann auf eine Ultraschalluntersuchung ausgewichen werden. Bei der Ultraschalluntersuchung werden insbesondere Leber mit Gallenblase und Milz untersucht. Auch der Magen-Darm-Trakt lässt sich darstellen, und Missbildungen oder andere schwere Darmerkrankungen lassen sich nachweisen. Beurteilbar sind auch die Darmwand, die Darmtätigkeit und das Darmvolumen, so dass durch die Ultraschalluntersuchung in Ergänzung zur Befragung des Patienten häufig eine vorläufige, teilweise sogar eine endgültige Einordnung der Diagnose möglich ist.
Herz
Die Ultraschalldiagnostik des Herzens ist eine der wichtigsten Methoden zur Frühdiagnostik von Herzfehlern und zur Beobachtung der Entwicklung von Herzfehlern geworden.
Abb.: Echokardiographische Untersuchung
Abb.: "Shunt": Durch ein Loch in der Herzscheidewand strömt Blut von der linken in die rechte Kammer (roter Strahl)
Sie gehört mit zu den wichtigsten Ultraschalluntersuchungen in der Kinder- und Jugendmedizin. Die Besprechung erfolgt ausführlich in Kapitel 9.
Andere Untersuchungen
Zahlreiche andere Ultraschalluntersuchungen werden bei speziellen Fragestellungen selten, aber in der Aussage nicht von geringerer Bedeutung eingesetzt. Dies gilt für die Untersuchung der Schilddrüse, der Lymphknoten, von Abszessen, von Tumoren, der Bauchspeicheldrüse und von vielen Organen. Von zunehmender Bedeutung ist auch die Sonographiediagnostik von Brüchen, Missbildungen in allen Körperbereichen bis hin zur Diagnostik von Wirbelsäulenstörungen, Ergüssen und Blutungen.
Die Ultraschalldiagnostik wird auch für andere diagnostische Eingriffe unterstützend eingesetzt. Beispielsweise sei hier der Einsatz bei Gelenkspunktionen erwähnt, um die Punktion gezielt an der richtigen Stelle zu platzieren. Auch bei der Gewinnung von sterilem Urin durch Blasenpunktion hat die Sonographie eine große Bedeutung.
Copyright ZKJ
Altötting und
nytec-multimedia
2011